Das letzte Rennen 2007
Fast online versaubeutelt!
Das ist das immer, mit dem Computer. Ganz tolle Hilfe, aber in wichtigen Momenten lässt er dich einfach im Stich. Und diesmal war das so: Im Gegensatz zu den bisherigen Läufen fand das Finalrennen des German Endurance Cups in Brünn nicht am Sonntag, sondern am Samstag statt.
- Vorteil: Ausschlafen nach der Saisonabschlussparty Samstagabend mit Freibier und tschechischen Folkloretanzgruppen.
- Nachteil: Ich hatte davon keine Ahnung, weil auf der GEC-Homepage das Rennen für Sonntag angekündigt war.
Ok, mein Teamchef klärte mich drei Tage vor der Veranstaltung auf. Da ich aber meines ungeheuren Talentes zum Trotz (kicherfeixvogelzeig) mein Geld mit niederen Tätigkeiten im Management eines bekannten deutschen Großkonzerns verdiene statt mit Motorradfahren, konnte ich meinen Urlaub leider nicht mehr verschieben. Die traurige Folge: Anreise Freitagabend, kein Training.
Freitag: Beim Begrüßungsbier in der Box empfingen meine Feng Chui-erprobten Antennen etwas negative Vibrationen, die offenbar auf die 2:20er Zeiten einiger Anwesender zurückgingen. Auch Roland war nicht wirklich zufrieden. Deshalb sollte ich, wie bisher in der Saison, das Qualifying am kommenden Morgen fahren. Ziel waren eine gezeitete Runde und Feintuning am Fahrwerk, da wir mit stark verschleißendem Hinterreifen zu kämpfen hatten.
Samstag: Nach einer Fahrrad-Runde mit Tipps von Roland und 20 min Warm-Up haben wir die Dämpfung noch mal justiert, dann ging’s los. Zum Glück wurde die Strecke in den letzten 9 Jahren nicht umgebaut, ich wusste also noch, wo’s links und wo’s rechts rum ging…
Ich glaube, ich gehe nicht zu weit, wenn ich sage, das Ergebnis überraschte uns nicht unangenehm. Ketchup, den ich nach dem Zeittraining noch a bisserl angeweint hatte - wegen keiner freien Runde und so - war Gott sei Dank unbewaffnet, als uns die Nachricht in der Boxengasse ereilte: Startnummer 675 Bestzeit SSP mit 2:15, fünfter Startplatz gesamt. Schon lange hatte ich kein so gutes Gefühl mehr dabei, gehasst zu werden…
Schockierend! 2:15 in Brünn - mit Serieneisen, ohne Training.
Cool! Mit einem 5. Startplatz kannst Du eigentlich ganz locker ins Rennen gehen. Du musst einfach nur ruhig bleiben und nicht an die 34 hungrigen Tausender denken, die hinter Dir auf die Gerade gehen um Dich am anderen Ende mit 270 Sachen zu fressen. Der Unterschied zwischen echt schnellen Runden und erbarmungslosen Nachhintengereichtwerden liegt bei etwa 50 PS. Oder totaler Verdunklung im Hirn. Wer das eine nicht hat, sollte vom zweiten genügend mitbringen.
Die gute Nachricht zuerst: Ich bin an zweiter Stelle aus der ersten Runde gekommen. Die schlechte: Ich wurde danach wesentlich häufiger überholt als sonst - 7 Plätze musste ich in der ersten Stunde abgeben. Trotzdem! Die Daytona geht so messerscharf in die Ecken, dass Du eine 1er am Ausgang reiten musst wie Clint Eastwood seinen Braunen, um dran zu bleiben. Großes Tennis! Ganz nebenbei hatte ich über eine halbe Stunde einen herrlichen Kampf mit Lario Racing, Kawasaki Racing Team Czech und dem späteren Sieger Stracke. Das hat dermaßen Laune gemacht, dass ich fast übersehen hätte, dass der Sprit alle wird. Jetzt war Roland dran, der nicht ganz so schnell aber zuverlässig wie eine Glashütte seine Runden drehte. Beim nächsten Wechsel gab’s auch Entwarnung bei den Reifen. Wir hatten beim Fahrwerkeinstellen erfreulicherweise an den richtigen Rädchen gedreht. Ein Dank an dieser Stelle an die Spezialisten von Öhlins, die uns dabei mit Rat und Tat zur Seite standen.
Danke! Danke! Danke!
Und überhaupt: Am Ende hat’s diesmal zwar leider nicht für einen Pokal gereicht - Platz 4 in der Klasse, Platz 13 gesamt. Aber was soll’s? 4 Stunden mit einem göttlichen Ofen auf einer der schönsten Strecken Europas waren genau die richtige Einstimmung für die Saisonabschlussparty von Bike Promotion. Die haben nicht nur gut gefeiert, sondern das ganze Jahr über einen top Job hingelegt. Der German Endurance Cup ist eine hervorragend organisierte Rennserie. Maximum Respekt. Aber das Beste an der Saison war die Daytona. Was für ein Eisen! Wer eine hat, dem rate ich: Reiß ihr die Serienverkleidung vom Leib und reite sie auf der Piste! Aber Obacht! Suchtgefahr.
Team Triumph-Stop’n’Go
- Oliver Werner
- Roland Zießmer
- Stephan Zießmer
- Thomas Meisner
- Tammo Grundmann

